Seit einigen Jahren betreuen wir an der Neurologischen Fachklinik der Bosenberg Kliniken, St. Wendel Patienten mit implantierten Systemen zur Tiefen Hirnstimulation (so genannte „Hirn-Schrittmacher“). Überwiegend handelt es sich dabei um Parkinson-Erkrankte, wir konnten aber auch Erfahrungen bei Patienten mit Dystonie oder isoliertem Tremor (Zittern) sammeln.
Dieses Verfahren stellt bei sorgfältiger Durchführung und Einbettung in ein umfassendes Therapiekonzept für viele Betroffene eine große, den Lebensalltag wesentlich erleichternde, Hilfe dar.
Durch Umprogrammieren des Hirnstimulations-System und Anpassen der Medikation in
kleinen Schritten versuchen wir im Rahmen eines komplexen Therapieprogrammes zu
erreichen, dass die Ziel-Symptomatik bei minimierten Nebenwirkungen den ganzen Tag über
möglichst gleichmäßig gut eingestellt ist.
Darüber hinaus möchten wir die Betroffenen allgemein-körperlich wie psychisch wieder
aufbauen und so für den Alltag größtmögliche Selbstständigkeit und Belastbarkeit erreichen.
Deshalb behandeln wir speziell auch Symptome, die auf THS und Parkinson-Medikamente
schlecht oder gar nicht ansprechen:
Z.B. sind typischer Weise beim Parkinson die Körperhaltung und reflektorischen Ausgleichs-
Bewegungen gestört. Hier greift ein posturales Training durch die , also das Üben von Ausgleichsbewegungen und Ausfallschritten mit Verbesserung der Körperhaltung.
Gegebenenfalls kann auch auf unserer Gleichgewichts-bio-feed-back-Plattform
(Posturographie) nach Einweisung in die Programme selbstständig geübt werden.
Ergotherapie, Bewegungsbad, Sporttherapie von der Hockergymnstik bis zum Waldlauf, balneophysikalische Therapien, Hilfsmittel-Versorgung und Sozialberatung erfolgen je nach Bedarf.
Bei Blasenstörungen bieten wir eine Blasensprechstunde mit Restharn-Sonographie und
Uroflowmetrie an.
Selbstverständlich haben wir auch eine neuro-psychologische Abteilung für eventuell erforderliche Diagnostik und Therapie, beispielsweise bei V.a. dementielle
Entwicklungen oder Depressionen, einschließlich der Möglichkeit zur Teletherapie und
Musiktherapie.
Auf die nicht seltenen Schluckstörungen sind unsere Logopäden spezialisiert, bei Bedarf können endoskopische Laryngoskopie und Video-Fluoroskopie durchgeführt werden. Auch die parkinson-typischen Sprechstörungen werden logopädisch behandelt.
Für eine eventuell erforderliche psychiatrische Medikation zeichnet ein Facharzt für Psychiatrie verantwortlich. Ein Facharzt für Innere Medizin wertet die EKG`s aus und macht bei Bedarf Echocardiographien.
Gegebenenfalls stehen neben der Tremoranalyse unsere gesamten diagnostischen und
therapeutischen Möglichkeiten einschließlich konsiliarischer Betreuung in der HNO-Abteilung
offen.
Schließlich sollen Patienten wie Angehörige mit der Krankheit und dem Stimulations-System bei uns umgehen und leben lernen. Auf Wunsch weisen wir gerne in den Gebrauch des Access-Gerätes ein.
Inzwischen bekommen wir Patienten mit THS nicht nur aus dem Akut-Krankenhaus direkt nach der OP (d.h. im AHB-Verfahren), sondern auch später von zu Hause (im Heilverfahren oder als Selbstzahler). Es gibt weltweit nur 2 Systeme zur THS Medtronic http://www.medtronic.de/therapien/neurostimulatoren-bewegungsstoerungen/index.htm St.Jude Medical http://www.sjm.de/Das-Unternehmen/Unternehmensbereiche/Neuromodulation. Wir haben die Programmiergeräte für beide Systeme vor Ort, was die Behandlung andernorts Operierter unkompliziert ermöglicht.
Unsere Klinik ist anerkannt als assoziiertes Mitglied des Kompetenznetz Parkinson (KNP) www.kompetenznetz-parkinson.de, einer der Fachärzte für Neurologie ist Mitglied der Deutschen Parkinson Gesellschaft (DPG) www.parkinson-gesellschaft.de, Chefarzt und ein Oberarzt Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Neuromodulation www.dgnm-online.de.
Intrathekale Baclofen-Pumpen
Auch Menschen mit schwerer Spastik, denen deshalb ein Pump-System zur Einleitung eines
Medikamentes in den Nervenwasserraum der Wirbelsäule („intrathekale Baclofen-Pumpe“) implantiert wurde, können wir kompetent betreuen. Schrittweise programmieren wir die Pumpe um, wenn dies erforderlich ist. Im Übrigen steht natürlich auch diesen Patienten unser gesamtes therapeutisches wie diagnostisches Spektrum zur Verfügung.